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| Geschrieben von: Norbert Beuckmann |
Heiligenhäuschen und Bildstöcke am WegesrandDas Hagelkreuz zwischen Lüttingen und WardtAnno 1618 wurde vermutlich durch Heinrich und Katharina Moellemann das Hagelkreuz errichtet. Auf dem Sockel ist zu lesen: Glück in Wardt und Lüttingen. Der Ort, an dem das Hagelkreuz fast 400 Jahre steht und vor Hagelschlag und Wassernot beschützen soll, kann jedoch eine weit ältere Geschichte aufweisen. Flurkarten von 1695 und 1738 zeigen, dass damals ein breiter Wasserarm nahe daran vorbeifloss. An diesem Wasserarm lag ein fränkisches Gehöft dessen Felder noch bis 1800 in den Xantenern Stiftsregistern unter dem Namen „Nederwick“ geführt wurden, obwohl die Siedlung selber im Hochmittelalter schon nicht mehr existierte. Der Xantener Ausgräber Notar Houben entdeckte im Jahre 1838 bei dem Hagelkreuz ein fränkisches Gräberfeld aus dem 5. Jahrhundert. Die zu diesem Gräberfeld gehörige Siedlung könnte der „Hof Nederwick“ gewesen sein. Man kann annehmen, dass es sich bei dem Ort des Hagelkreuzes um den Friedhof der Ursiedlung Nederwick handelt und das Kreuz später darauf errichtet wurde. Das Hagelkreuz wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals zerstört, so 1855 durch Rheinüberflutung und 1945 bei den Kämpfen um Xanten. Am 8. November 1608 wurde in seiner Nähe eine blutige Schlacht zwischen Spaniern und Niederländern ausgetragen, die beiden Befehlshabern das Leben kostete. Im Zuge der Auskiesung der Xantener Südsee sollte das Hagelkreuz an einer anderen Stelle aufgestellt werden. Dass es aber heute noch an seiner ursprünglichen Stelle steht, ist u.a. Pastor Alders zu verdanken, Um das Hagelkreuz ranken sich viele Geschichten. 1926 verfasste Johann Joußen folgende Legende vom Hagelkreuz. Es war im November des Jahres 1668. Über die niederrheinische Tiefebene senkte sich eine jener typisch niederrheinischen Nebelnächte. Im Dörfchen Wardt war alles dunkel. Nur aus aus den niedrigen Fenster eines strohgedeckten Bauernhauses fiel heller Lichtschein. Dort lag der kranke Heesenbur und seine Frau saß neben ihm um ihn zu pflegen. Das schimmernde Licht lockte ein Käuzchen ans Fenster und stieß einen Ruf: Kuwiff – Kuwiff aus. „Moder hai et gehört nou mott ek bald stärwe“, stöhnte der Kranke. Die Bäuerin suchte ihn zu beruhigen. „Glövt dat doch nit, Vader dat es doch bloß ein Üll.“Allein der Kranke wurde immer unruhiger. Die Bäuerin wurde besorgt und schickte den Knecht Jan mit einem Pferd nach Xanten um den Kanonikus Kerstjes zu holen. Kornelius Kerstes war ein pflichteifriger Gottesmann. Ohne Murren traf er unverzüglich Vorbereitungen für den schwierigen Versehgang nach Wardt. Galt es doch einer schwer ringenden Seele, die ihm anvertraut war , zu helfen und sie zu stärken auf ihrem letzten Gang. Und schon schritt der Vikar rüstig zum Rheintor hinaus in die stockdunkle Nacht. Den breitrandigen Hut hatte er tief ins Gesicht gezogen. Tapfer stützte er sich auf seinen silberknopfigen Krückstock, der auch eine gute Waffe war, denn die Zeiten waren immer noch unsicher. Allerhand marodierendes Volk konnte die üblen Gewohnheiten aus der unseligen Zeit des dreißigjährigen Krieges nicht ablegen und machten die Wege unsicher. Der Priester musste achtgeben, dass er in der Finsternis den Weg nicht verfehlte. Dieser ging über Wassergräben, durch Buschhecken und einige Male dicht am Rande einer Woy vorüber. Die nassen Zweige und kalte Regenschauer fuhren dem einsamen Wanderer ins Gesicht. Eigentlich hätte er jetzt beim Hagelkreuz sein müssen. Und als er so dachte, wurde er immer verwirrter. Zuletzt wusste er nicht mehr, welche Richtung er einzuschlagen habe. Stundenlang irrte er umher. Vergebens hielt er Umschau. Ringsum war nichts als Finsternis. In seiner Not kniete der Verirrte auf den nassen Lehmboden, faltete die Hände und flehte um Gottes Beistand. Da traten aus dem niedrigen Gebüsch zwei schöne Mädchenengel mit silberhellen Röcken und Blumenkränzen im goldgelben Haar. Sie fassten ihn bei den Händen und führten ihn gut hundert Schritte weiter. Da fiel es dem Armen wie Schuppen von den Augen.. Er war am Hagelkreuz und sah den Pfad zum Dorfe deutlich vor sich. Die Engel waren verschwunden. Der hochbeglückte Vikar schritt eilends weiter und sang aus dankbarem Herzen: Wohlan, nun preist den Herrn, ihr Diener Gottes alle. Der Hassenbur wurde rechtzeitig versehen und starb ruhig und gotterben bei Anbruch des Tages. Der fromme Vikar hat das wundersame Erlebnis nicht mehr vergessen können. In stillen Mußestunden saß er vor seiner Staffelei und malte die Erscheinung am Hagelkreuz. Im Jahre 1728 starb er. Lang e Zeit soll dieses Bild im Pfarrhaus gehangen haben. Übrigens: die erste Schule für Lüttingen und Wardt stand am Hagelkreuz. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich die Katholische Grundschule Lüttingen, in der damals wie heute Lüttinger und Wardter Kinder gemeinsam unterrichtet werden, den Namen „Hagelkreuzschule“ gegeben. Norbert Beuckmann
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